Für Fachkräfte bietet die Empfehlung von Selbsthilfegruppen folgende Vorteile:
Ergänzende Unterstützung Selbsthilfe kann ärztliche, therapeutische oder sozialpädagogische Behandlungen bzw. Interventionen nicht ersetzen, aber sie sinnvoll ergänzen. Fachkräfte können Patient*innen bzw. Klient*innen auf diese zusätzliche Ressource hinweisen, um ihre Genesung zu unterstützen.
Gesundheitskompetenz Selbsthilfegruppen verfügen über eine hohe Gesundheitskompetenz in Bezug auf spezifische Krankheitsbilder. Fachkräfte können von diesem breiten Wissen profitieren und es gezielt an Patient*innen bzw. Klient*innen weitergeben.
Förderung der Mitarbeit Die Teilnahme an Selbsthilfegruppen kann die Bereitschaft zur Mitarbeit stärken. Fachkräfte können informierte Patient*innen bzw. Klient*innen ermutigen, aktiv an ihrer Behandlung teilzunehmen.
Netzwerk und Kontakte Selbsthilfegruppen ermöglichen es, Kontakte zu knüpfen und sich mit anderen Betroffenen zu vernetzen. Fachkräfte können auf lokale Gruppen hinweisen und soziale Unterstützung fördern.
Insgesamt können Fachkräfte durch die Empfehlung von Selbsthilfegruppen einen ganzheitlichen Ansatz zur Gesundheitsförderung ihrer Patient*innen bzw. Klient*innen unterstützen.
Selbsthilfe in Forschung und Lehre
Die Evaluationsstudie der Münchner Angstselbsthilfe, die seit 2010 in Zusammenarbeit mit dem wissenschaftlichen Beirat und der Deutschen Gesellschaft für Verhaltenstherapie (DGVT) durchgeführt wird, zeigt eine signifikante Verringerung der Angststärke bei Teilnehmenden der Selbsthilfegruppen.
In der SHILD-Studie wurden über einen Zeitraum von 6 Jahren (2012-2018) 5.000 Menschen zu Zielen, Aufgaben und Wirksamkeit von Selbsthilfe befragt. Dabei stellte sich heraus, dass Selbsthilfe eine positive Wirkung auf die überwiegende Mehrheit der Befragten hat, insbesondere in Bezug auf die Krankheitsbewältigung. Der Austausch von Erfahrungen mit anderen Gruppenteilnehmenden trägt zur emotionalen und allgemeinen gesundheitlichen Stabilisierung der Selbsthilfe-Aktiven bei.
Seit 2017 gibt es eine Stiftungsprofessur für Selbsthilfeforschung an der Universität Freiburg mit dem Schwerpunkt Krebsselbsthilfe.
Seit über 10 Jahren werden an Berliner Bildungseinrichtungen Selbsthilfe-Workshops von der Jungen Selbsthilfe angeboten.
Weitere Informationen:
Kofahl, C., Haack, M., Nickel, S., & Dierks, M.-L. (2019). Wirkungen der gemeinschaftlichen Selbsthilfe (Bd. 29). LIT Verlag.
Trojan, A. (2017). Selbsthilfegruppen als Akteure für mehr Kooperation und Integration. In A. Brandhorst, H. Hildebrandt, & E.-W. Luthe (Hrsg.), Kooperation und Integration – das unvollendete Projekt des Gesundheitssystems. Springer Fachmedien Wiesbaden, S. 167
Berliner Selbsthilfe-Podcast „Echte Stimmen“ www.echte-stimmen.de