Migration und Selbsthilfe

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Das es so viele sind, hätte ich nie gedacht ...!"
 Am 07. Dezember fand im Hotel Rossi in der Nähe des Hauptbahnhofes der erste Berliner Fachtag für Migration und Selbsthilfe statt. Organisiert durch den Arbeitskreis Selbsthilfe und Migration der Berliner Selbsthilfe-Kontaktstellen / Selko e.V., trafen sich knapp 100 Engagierte und Interessierte zu Erfahrungen muttersprachlicher Selbsthilfegruppen.

Sie alle nebeneinander auf der Bühne zu sehen, war beeindruckend: Selbsthilfegruppen aus sieben Nationen, in ebenso vielen Sprachen und zu neun ganz unterschiedlichen Themenfeldern. Da standen Vertreter*innen der vietnamesischen Schmerzgruppe neben einer Gruppe von Geflüchteten aus Syrien und Afghanistan und einer der größten Sucht-Gruppen (NA) in persischer Sprache weltweit. Engagierte Angehörige standen neben Betroffenen, somatische neben psychosomatischen Themen.

Die Selbsthilfe im weltweiten Berliner Mikrokosmos. Berlin ist eine multikulturelle Stadt. Dass sich dies auch in der Selbsthilfe spiegelt, war am 1. Fachtag zum Thema Selbsthilfe und Migration gut zu sehen. In der Datenbank von SEKIS sind über 80 muttersprachliche Selbsthilfegruppen gelistet, die sich regelmäßig in allen Teilen Berlins treffen: Frauen und Männer, Angehörige und Selbst-Betroffene.

Selbsthilfe schafft sich neuen Raum
Diese Entwicklung ist noch gar nicht so alt. Vor 10 Jahren gab es nur an wenigen Stellen die Möglichkeit, in der eigenen Muttersprache Austauschmöglichkeit in einer Selbsthilfegruppe zu finden. Trost gab es in der Familie, medizinische Aufklärung über den Arzt, Gespräche mit Gleichbetroffenen - wenn es gut ging - eher durch Zufall. All das ist auch heute noch so. Dennoch haben sich mehr und mehr Möglichkeiten ergeben, um auch mit Menschen ins Gespräch zu kommen, deren Lebenssituation und Erkrankung der eigenen Situation nahe ist. So nah, dass Gespräche möglich werden, wie sie häufig nur in der Selbsthilfe zu finden sind: mit viel Verständnis und ohne viele Erklärungen. Und nun: in der Sprache, die es schafft, die eigenen Gefühle wirklich ausdrücken zu können und mit den Menschen, denen ich meine Erkrankung nicht erklären muss und die auch mein Lebensumfeld, meine Kultur und die damit einhergehenden Herausforderungen kennen.

Ein Fachtag der Vernetzung
Den damit verbundenen Fragen nach funktionierender Selbsthilfeunterstützung geht der Arbeitskreis "Selbsthilfe und Migration" der Berliner Selbsthilfe-Kontaktstellen schon seit vielen Jahren nach. Am 07. Dezember lud er nun erstmals zu einem Berlinweiten Fachaustausch ein. Menschen aus unterschiedlichsten Muttersprachlichen Selbsthilfegruppen trafen zusammen mit Professionellen aus verschiedenen Bereichen des Gesundheitswesens, migrantischen Selbsthilfeorganisationen und Mitarbeiter*innen der professionellen Selbsthilfeunterstützung.

Nach sehr persönlichen Entwicklungs-Beobachtungen aus drei Perspektiven (Arbeitskreis Migration, Krankenkassen, Selbsthilfeorganisation) folgte ein Worldcafé mit der Möglichkeit, unterschiedliche Gruppen kennen zu lernen und zu ihrer Arbeitsweise und ihren Erfahrungen zu befragen. Viele Gespräche liefen in der Mittagspause im gastgebenden Hotel Rossi weiter.

Am Nachmittag dann fand man sich in fünf Workshops zusammen. Vertieft wurde ausgetauscht, befragt und noch einmal das eigene Netzwerk erweitert. Als am Ende dieses spannenden Tages ein Drum Circle für den gemeinsamen Ausklang sorgte, hatten viele kleine Zettel mit Emailadressen und Telefonnummern oder Visitenkarten die Besitzer gewechselt. Die gemeinsame Zeit war an manchen Stellen zu kurz. Aber die Gespräche werden weitergehen. Im wachsenden Netzwerk und - wenn es gut geht - auf einem weiteren Fachtag zu "Selbsthilfe und Migration".

Vom Miteinander der Menschen aus aller Welt

Bild zum Thema Selbsthilfe und Migration

In Deutschland hat die Selbsthilfearbeit mittlerweile eine über Jahrzehnte reichende Tradition. Für Menschen anderer Nationen ist das nicht immer so.

Die Idee, in einer Gesprächsgruppe Gleichbetroffener problem- und krankheitsbezogene Themen zu behandeln, klingt hier oft befremdlich. Dabei bietet Berlin ein buntes Bild an Selbsthilfeorganisationen im Migrationsbereich. Menschen engagieren sich, um ihre Kultur zu bewahren, Hilfsangebote für Landsleute aufzubauen, Sport zu treiben oder einfach nur Anlaufstelle für Begegnungen und Austausch zu sein.

Der Arbeitskreis Selbsthilfe und Migration gibt mit einer Broschüre einen Einblick in bestehende migrantische Selbsthilfearbeit in Berlin, erklärt was Selbsthilfe meint, stellt Beispiele gelungener Selbsthilfearbeit vor und bietet eine Liste von bestehenden Gruppen und Beratungsadressen.

Kontakt: Arbeitskreis Selbsthilfe und Migration der Berliner Selbsthilfekontaktstellen
Bismarckstraße 101 |10625 Berlin  |  Telefon 030 89 02 85 37  |   Email: sekis@sekis-berlin.de

Selbsthilfe-Initiativen nach Ländern, Regionen oder Sprachen

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