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Selbsthilfe und Depression

Angst, Depression und Selbsthilfe

 

Zur Bedeutung der Selbsthilfe in der Versorgung von Menschen mit seelischen Erkrankungen

 

Die Rolle der Selbsthilfe bei der Unterstützung und Hilfe für Menschen mit seelischen Erkrankungen wie Angst oder Depression wird immer wichtiger. Welche Stellung hat die Selbsthilfe im Versorgungsnetz? 

 

Angst und Depression im Krankheitsspektrum

 

Die Weltgesundheitsorganisation WHO verweist darauf, dass absehbar Herzinfarkt, Depressionen, Angststörungen und Verkehrsunfälle die größten „Leiden“ der Menschheit sein werden. Auch neuere Studien und Umfragen in Deutschland belegen, dass Angststörungen und Depression bundesweit zu den häufigsten Krankheiten zählen. Es wird davon ausgegangen, dass fünf Prozent der Bevölkerung an Depressionen leiden.

Für Berlin verweist der Gesundheitsreport 2005 der DAK darauf, dass psychische Erkrankungen mittlerweile eine der wichtigsten Ursachen für Krankschreibungen und Fehltage bei Unternehmen in Berlin sind. Ihr Anteil an den Arbeitsunfähigkeitstagen lag 2004 bei 12,1 Prozent.

Das bedeutet bei Depression eine Steigerung in den letzten vier Jahren um 42 Prozent und bei Angststörungen um 27 Prozent.  Auffällig ist auch, dass gerade bei jüngeren Altersgruppen bundesweit eine überproportionale Zunahme zu verzeichnen ist.

Dieser Entwicklung und der Einschätzung, dass mehr als drei Millionen Betroffene behandlungsbedürftig sind, trägt die Fachwelt mit neuen Versorgungsformen Rechnung. In mehreren Städten arbeiten Kompetenznetze Depression und auch in Berlin wurde im Mai 2005 ein Bündnis gegen Depression gegründet.

 

Zur Bedeutung für die Selbsthilfe

 

Selbsthilfekontaktstellen sind Seismographen für einen Wandel in der "Seelenlage" von Menschen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass seit einigen Jahren die Zahl der Nachfragen nach Selbsthilfegruppen zu den Themenbereichen: Angst, Panik, Depression, Borderline-Störung, Psychiatrieerfahrung, Mobbing oder Zwänge, bei Kontaktstellen besonders stark ansteigt.

 

Auffällig dabei ist, dass die Mehrheit dieser Ratsuchenden von Professionellen, also Ärzten und Ärztinnen, Sozialdiensten in Kliniken, Therapeut/innen, Rehabilitationseinrichtungen oder Einzelfallhelfern in die Selbsthilfe „geschickt“ werden.

Damit wird deutlich, dass an diese Hilfeform hohe Erwartungen für mögliche Bewältigungsmöglichkeiten der Krankheit von Betroffenen und Fachleuten gerichtet werden.

Das gilt insbesondere auch deswegen, weil in den Vermittlungsgesprächen deutlich wird, dass professionelle Hilfewege schon gegangen und oft auch „ausgeschöpft“ wurden. Viele Ratsuchenden sagen, dass sie z.B. eine Therapie schon absolviert haben. Nicht selten erfolgt dies sogar mit dem Hinweis „und es hat mir nicht wirklich geholfen“.

 

Handlungsbedarf

 

Für Selbsthilfegruppen und Kontaktstellen entsteht ein erheblicher Handlungsdruck.

Der hohen Nachfrage nach Gruppen zu diesen Themenfeldern entspricht in Berlin eine entsprechend große Zahl an Gruppen. Im Mai 2005 registriert die SEKIS-Datenbank 72 Selbsthilfegruppen allein zu den Stichworten Angst, Panik und Depression. Bundesweit wird von mehr als tausend Gruppen ausgegangen.

Selbsthilfegruppen zu diesem Themenspektrum arbeiten sehr unterschiedlich und sie sind oft stark von den sie tragenden oder begleitenden Personen abhängig. Darüber hinaus wird die Beobachtung gemacht, dass es vielen dieser  Gruppen an Stabilität mangelt.

Es ist zu fragen, ob sie in der Lage oder Willens sind, die an sie heran getragene Versorgungs- und Auffangfunktion  zu leisten. Zu klären ist auch, in wie weit aus dieser Entwicklung ein eigener Unterstützungsbedarf der Gruppen in diesem Themenfeld resultiert.

Zu diskutieren ist, ob spezifische Angebote der Fortbildung und der Supervision oder des begleitenden Erfahrungsaustausches entwickelt werden können.

Voraussetzung für eine kompetente Beratung und Vermittlung ist aber vor allem fundiertes Wissen über die Gruppenlandschaft, das eine gezielte Hilfe für Ratsuchende möglich macht.

 

 

Themen und Fragestellungen:

 

Informationen zu den Krankheitsbildern

Darstellungen aus der Sicht der Professionellen

Selbstverständnis der Selbsthilfe

Was müssen Selbsthilfegruppen über das Krankheitsbild Depression und Angststörungen wissen ?

           

Möglichkeiten der Selbsthilfe

Wie und mit welchen Konzepten arbeiten die Selbsthilfegruppen ?

Wie helfen Selbsthilfegruppen bei Depression oder Angst ? Was wirkt in der Selbsthilfe ?

Welchen spezifischen Unterstützungsbedarf haben Gruppen ?

Gesundheitsfördernde Aspekte der Selbsthilfe

Welche Fähigkeiten, Eigenschaften, Ressourcen braucht ein/eine nichtprofessionelle(r) Gruppenleiter/in haben, um kontinuierlich eine Gruppe zum Thema „Angst“ oder „Depression“ leiten oder begleiten zu können.?

 

Möglichkeiten der fachlichen Hilfe und Unterstützung

Gibt es Arbeitskonzepte für die Anleitung von Gruppen zu Angst und Depression, die sich bewährt haben?

Sind diese Konzepte Ärzten/Therapeuten bekannt?

Wie können Ärzte/Therapeuten dabei mitwirken, Anleitungskonzepte für Angst-und/oder Depressionsgruppen mitzuerstellen?

Was müssen (oder wollen) Selbsthilfegruppen über Medikamente, Therapien oder Hilfekonzepte wissen ?

Was sollten Kontaktstellenmitarbeiter/innen über die Krankheitsbilder Depression und Angst wissen, um besser beraten und vermitteln zu können?

 

Kooperation und Vernetzung

Wie macht der Arzt/ die Therapeutin ihren Patienten/Patientin auf die Möglichkeit eines Engagements in der Selbsthilfegruppe aufmerksam? In welcher Form wird motiviert, aufgeklärt?

Können oder sollten die so genannten psychoedukativen Lernerfolge aus der Gruppentherapie / Verhaltenstherapie für die Selbsthilfegruppe nutzbar gemacht werden?

 

 

Das Programm des SEKIS Expertedialogs im Februar 2006:

 

10.00 Uhr                            

Begrüßung und Einführung

·          Karin Stötzner                              SEKIS

·          Dr. Gudrun Borchardt                   Techniker Krankenkasse

 

10.10 Uhr                            

Vorstellung der Dialogpartner und -partnerinnen

 

10.30 Uhr                            

Fragen und Diskussion nach Inputs

 

Angst, Depression und Panik - Informationen zu den Krankheitsbildern und den fachlich-professionellen Hilfemöglichkeiten 

aus der Sicht der stationären Hilfe

 

·          Prof. Dr. med. A. Diefenbacher               

Chefarzt Psychiatrie und Psychotherapie

des Ev. Krankenhauses Königin Elisabeth Herzberge

 

aus der Sicht der ambulanten Hilfe

·          Dr. med. B. Palmowski                

Facharzt für Psychosomatische Medizin, Psychotherapie

und Psychoanalyse

·          Dr. med. Frank Ganzert               

Internist, Hausarzt und  Psychotherapeut

 

Vernetzte Versorgungskonzepte

·          Frau Dr. med. M. Schouler-Ocak 

Leiterin des Berliner Bündnisses gegen Depression

 

11.15 - 12.30 Uhr                              

Fragen und Diskussion nach Inputs

 

Selbsthilfe als Element der psychosozialen Versorgung

Das Spektrum der Selbsthilfe im Bereich psychischer Erkrankungen

und die Beratungskompetenz der Selbsthilfe

 

·          Dr. Friedhelm Meyer                   

Psychologe, Selbsthilfekontaktstelle Gießen der DAG SHG

 

Psychische Erkrankungen, Erfahrungen, und Fragen der Selbsthilfegruppen

 

·          Jens Rosenbach                Selbsthilfegruppe in Buch

·          Manfred Bieschke-Behm  Selbsthilfegruppe Positiv Denken

·          Holger Buckendahl           Selbsthilfegruppe Reinickendorf

·          Detlev Lechner                 Selbsthilfegruppe Tempelhof

·          Sabine Görmar                 Selbsthilfegruppe Mazahn-Hellersdorf

 

12.30 Uhr             Mittagspause

13.30 Uhr             Dialog

 

Zwischen Anspruch und Wirklichkeit, Gratwanderung zwischen Hilfe und Überforderung

Unterstützungsbedarf der Selbsthilfe und mögliche Förderkonzepte

·          Begleitung und Anleitung oder Supervision

·          Beratungskompetenz und Fachwissen

·          Elemente eines Fortbildungskonzepts für Selbsthilfegruppen

 

Was können und was müssen professionelle Unterstützungsangebote leisten

Anforderungen an die Beratungs- und Vermittlungsqualität ?

·          Götz Liefert           Kontaktstellenmitarbeiter/innen

15.50 Uhr             Zusammenfassung und Perspektiven          Karin Stötzner

 

Gemeinsam diskutieren wollen u.a. die

 

         Experten / Diskussionspartner

 

Manfred Bieschke-Behm                               

Selbsthilfegruppe Positiv Denken

Jens Rosenbach                                           

Mitglieder aus Selbsthilfegruppen

Holger Buckendahl                                       

Sabine Görmar                                                         

Detlev Lechner

Helmut Gau

Klaus Bernhard und viele andere

NN                                                     

Mitarbeiter/innen aus Psychosozialen Kontaktstellen

Prof. Dr. med. A. Diefenbacher                     

Chefarzt Psychiatrie und Psychotherapie

des Evangelischen Krankenhauses Königin Elisabeth Herzberge

Dr. med. B. Palmowski                                 

Facharzt für Psychosomatische Medizin, Psychotherapie

und Psychoanalyse

Frau Dr. med. M. Schouler-Ocak                  

Oberärztin an der Psychiatrischen Universitätsklinik

der Charité im St. Hedwig Krankenhaus

Dr. Friedhelm Meyer                         

Psychologe und Projektmitarbeiter  "SHG für Menschen mit seelischen Erkrankungen und Zusammenarbeit mit Reha-Einrichtungen"

Dr. Elstner                                         

Oberarzt Tagesklinik für Angstpatienten Boxhagenerstrasse

Dr. Frank Ganzert                                        

internistischer Hausarzt  und psychoanalytischer Psychotherapeut

Frau Beeck                                        

AMSOC - Ambulante Sozialpädagigik Charlottenburg e.V.

Patenschaftsprojekt: Patenschaften für Kinder seelisch

erkrankter Eltern

Dr. Grudun Borchardt                                

Techniker Krankenkasse Berlin Brandenburg

Frau Crämer                                                  

Landesverband der Angehörigen psychisch Kranker

NN                                                                       

Mitarbeiter/innen der Psychosozialen Dienste der Bezirke

Herr Beuscher                                               

Psychiatrie-Koordinator der

Senatsverwaltung für Gesundheit, Soziales und Verbraucherschutz

Uwe Müller                                                     

kirchliche Telefonseelsorge

Frau Müller-Lissner                                    

freie Journalistin

Wolfgang Hardt                                             

 Mitarbeiter/innen aus Selbsthilfekontaktstellen

Birgit Sowade                                    

Götz Liefert

Monika Butterbrod

Kerstin Bönsch          

Karin Stötzner und andere    

 

 

Weiterführende Informationen zu Hilfeangeboten in Berlin für Menschen mit seeelischen Erkrankenkungen finden Sie hier

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