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            Die Kongress-Dokumanation finden Sie hier als pdf-Datei

 


Den Generationenwandel meistern

- Selbsthilfe und selbst organisierte Initiativen werden für eine alternde Gesellschaft immer wichtiger

- Selbsthilfe und nachbarschaftliche Netze nehmen eine wichtige Rolle in der Versorgung von alter Menschen wahr, die aber unabdingbar auf ein hauptamtliches und professionelles System der Hilfe und Pflege angewiesen ist.

 

- Die Vielfalt an Initiativen älterer Menschen muss erhalten und unterstützt werden, ohne dieses Engagement zu instrumentalisieren und das ehrenamtliche Potential als „Billigmacher“ zu missbrauchen.

 

- Wenn Selbsthilfe auch Teil einer Versorgungsplanung sein will, die eine künftige lebendige Verzahnung von professionellen und informellen Netzen, von privaten, ambulanten und stationären Angeboten im Blick hat, müssen ihre Aktivitäten über die klassische nach innen gerichtete „selbstbezogene“ Selbsthilfe hinaus gehen.

 

- Nachbarschaftliche Hilfen im Sinne von Community-Care dürfen nicht über die Köpfe derjenigen hinweg gedacht und geplant werden, um die es geht: die Hilfebedürftigen.

 

- Ehrenamt und Engagement in diesem Feld braucht nicht ur Anerkennung, sondern muss auch einen realen Nutzen und „Ertrag“ für die Helfenden haben: Aufwandsentschädigung, berufliche Anerkennung und Beteiligung.

- Selbsthilfeinitiativen haben noch zu wenig Kompetenz entwickelt, den eigenen Generationenwandel in der Gruppe anzugehen. Offensichtlich gibt es untershiedliche Kulturen der der Generationen, die sich auch in den gesellschaftlichen Organisationsformen niederschlegen.

Was unterscheidet Selbsthilfe im Internet von den örtlichen Gruppentreffen?

Die Communities im Internet sind ungleich größer, als örtliche Gruppen. Gleichzeitig existieren viele Angebote, die die Struktur von Gruppentreffen in Schutzräumen nachahmen oder übernehmen. Erreichbarkeit und Verfügbarkeit sind unschlagbare Vorteile der Online-Selbsthilfe. Hinsichtlich Nähe und Vertrautheit der Betroffenen existieren nach allen Erfahrungen keine Unterschiede. Häufig verabreden sich virtuelle Selbsthilfegruppen auch zu örtlichen Treffen. Anonymität ist im Internet weit schwieriger zu gewährleisten als bei der Face-to-Face-Selbsthilfe.

 

Hat die Selbsthilfe ihren Nachwuchs im Internet verloren?

 

Das Internet ist für viele, gerade jüngere Menschen eine gewohnte Quelle von Erst-Informationen. Gleichzeitig sind Online-Angebote auch für ältere Menschen attraktiv. Vieles spricht dafür, eher den Begriff und das Verständnis der Selbsthilfe ins Internet zu erweitern, als von einem nachlassenden Interesse seitens jüngerer Menschen auszugehen.

Karin Stötzner sprach in diesem Zusammenhang von einem medialen Generationenwechsel. Das Internet sei ein neues Medium der Selbsthilfe geworden und müsse nun seinen Platz in der Selbsthilfelandschaft finden.

Fraglich bleibt, inwiefern die Ausweitung von Beratung und Aufklärung zur Selbsthilfe im Internet auch zu einer "Weiterbelebung" der Face-to-Face-Selbsthilfe führen könnte.

 

Welche Potentiale bietet das Internet für Neugründungen?

 

Es existieren bereits verschiedene Modelle, wonach Gründungen im Netz zu neuen Ortsgruppen führen sollen. Inwiefern dies eine Verbesserung der Infrastruktur von Faceto-Face-Selbsthilfe bringen wird, konnte nicht geklärt werden. Ausprobieren.

 

Wie verändert das Internet die Förderkultur in der Selbsthilfe?

 

Bisher konnte die Online-Selbsthilfe nicht oder nur kaum von der Förderung durch die Krankenkassen profitieren. Eine Konkurrenz besteht zurzeit nicht. Gleichzeitig wurde Bedarf angemeldet, insbesondere beim Betreiben der Seite und Moderationsbedarf.

 

Wie groß ist die Gefahr, dass persönliche Daten öffentlich werden?

 

Zurzeit achten nur wenige AnbieterInnen auf die Vorgaben des Datenschutzes bzw. Klären die NutzerInnen genügend über individuelle Maßnahmen auf.

Dies ist eines der wichtigsten Themen, die in Zukunft für die Selbsthilfe eine Rolle spielen muss.

 

Querschnittsthemen

 

Internet stärker interaktiv nutzen

 

Für die Selbsthilfe gilt, was für den gesamten sozialen Bereich zu konstatieren ist. Das Internet wird noch immer vorrangig als Einbahnstraße betrachtet und dient vor allem der Selbstdarstellung auf Webseiten. Eine interaktive bzw.

Dialogische Ausrichtung fehlt zum allergrößten Teil. Neben Online-Angeboten der Begegnung wie Online-Communities, virtuellen Nachbarschaftshäuser oder gar Wohngemeinschaften, liegen hier auch wichtige Ressourcen für den fachlichen Austausch brach.

Viedeo- und Telefonkonferenzen mit z.B. anderen Selbsthilfegruppen ermöglichen neue Wege ein Erfahrungsaustausch auch für die Face-to-Face-Selbsthilfe.

  

Virtuelle Wohngemeinschaften im Alter?

 

Als Schnittstelle zwischen den Themen Generationenwandel und neue Medien in der Selbsthilfe wurd die Frage gestellt, ob es in Zukunft auch Virtuelle Wohngemeinschaften geben wird und ob es dafür schon Medien gibt. Die Idee von virtuellen Wohngemeinschaften im Alter klang nur sehr kurz an. Bisher wurde nicht klar, wie so etwas funktionieren oder aussehen könnte.

Dennoch stellt die Idee eine interessante Variante für das Dillemma von Nähe und Distanz bzw. Gegenseitiger Verantwortlichkeit und persönlicher Freiheit dar.

Eine TeilnehmerIn nahm die Idee mit der Bemerkung auf, sie würde eine solche Gemeinschaft in jedem Fall einer klassischen Wohngemeinschaft vorziehen.

 

Kassenförderung für die Internetselbsthilfe?

Es wurde klar, dass die Online-Selbsthilfe bisher kein Thema in den Verhandlungen mit den Krankenkassen war. Dies sei nicht von Anfang an ausgeschlossen. Inwiefern dafür neue Regeln konstruiert werden müsse, werde eine Praxis zeigen.

Ein Lösungsvorschlag war das persönliche Budget. Es müsse den Betroffenen selbst überlassen werde, ob sie ihre Selbsthilfegruppen im Internet oder in der Nachbarschaft suchen. Daher müssten auch die Gelder an diese Entscheidung gekoppelt werden.

 

Internet und Multimediaformate sind Techniken der Selbstverwirklichung und -vergewisserung

 

Neben allen Möglichkeiten, die die Selbsthilfe im Internet findet um einen Austausch zu ermöglichen, darf nicht vergessen werden, dass Internet und Multimediaformate mehr zu bieten haben. Gerade in den Bereichen des Web 2.0 bieten sich neue Möglichkeiten für das Erzählen der eigenen Geschichte. Chancen sich selbst neu zu erfinden und verschiedenste Identitäten zu pflegen.

Dabei spielen eben diejenigen Formate eine Rolle, die bei der Diskussion um die Selbsthilfe eher in den Hintergrund gerückt sind. Die Möglichkeit Profile anzulegen, um sich selbst darzustellen, wurde in der Diskussion völlig unterschätzt. Auch Video- und Audiodateien als Kommunikationsmittel und aber auch als narrative Instrumente der künstlerischen Auseinandersetzung bleiben unberücksichtigt.

Begegnung findet nicht nur im Gespräch, sondern auch in der Inszenierung statt. Gefühle können nicht nur im Forum oder Chat, sondern auch jenseits von Text kommuniziert, gelebt und assoziert werden

 

 Was bedeutet das für die Selbsthilfe?

 

"Ganzheitliche" Selbsthilfe

Der Kongress hat die Wesensgleichheit von Face-to-Face- und Online-Selbsthilfe betont. Eine Synchronisierung der beiden Ansätze konnte jedoch bisher nicht geleistet werden. Für die Selbsthilfe besteht nun die Aufgabe darin, sich mit dem "kleinen" Partner Online-Selbsthilfe zu versöhnen und über Kooperationen und weitere Gespräche eine Basis für gemeinsame weitere Schritte zu schaffen.

 

Internetselbsthilfe in der Beratung

 

Dazu wird es wichtig sein, sich auch Gedanken darüber zu machen, wie Online-Selbsthilfe Eingang in die Beratungsstrukturen von Selbsthilfeorganisationen finden kann.

 

Qualitätskriterien für die Internet-Selbsthilfe entwickeln

 

Dazu wird es vonnöten sein, sich zunächst darüber klar zu werden, welche Anforderungen an eine Selbsthilfe im Intrenet gestellt werden können und müssen.

 

Fortbildungen für Web 2.0 und Datenschutz

 

Insbesondere der Datenschutz muss dabei eine zentrale Rolle spielen. Welche Regeln und Maßnahmen sind notwendig um anonyme und vertrauenswürdige Strukturen zu schaffen und zu unterhalten?

Zweitens muss ein technisches Verständnis für eine internetbasierte Selbsthilfe geschaffen werden.

 

Kooperationen Vorrang geben

Hinsichtlich der Entwicklung neuer Angebote ist zunächst Zurückhaltung angesagt. Eher muss es darum gehen, bestehende Strukturen für eine Weiterentwicklung zu nutzen und zu optimieren. Ansonsten droht die Selbsthilfe sich in den Weiten des Internets zu verlieren und laufen Neulinge Gefahr vertrauenswürdige Inhalte gar nicht erst zu finden.

Insbesondere für Neugründungen könnte das Internet eine wichtige Ergänzung für die Stärkung lokaler Netze interessant werden. Inwiefern sich dies aber auch umsetzen lässt, wird man der Praxis überlassen müssen.

 

Daniel Pilgrim

Büro für Soziale Publizistik und Kommunikation

 

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